Trockene Augen richtig bewässert

Künstliche Tränen als Gel halten die Hornhaut länger feucht

 

von Matthias Bastigkeit aus der Zeitung Ärztliche Praxis, Jahrgang 2002, Ausgabe 19

 

 

MÜNCHEN - Künstliche Tränenflüssigkeit gegen trockene Augen sollten Patienten nicht auf eigene Faust ins Auge träufeln. Erstens eignet sich nicht jedes Präparat für jeden Patienten. Und zum Zweiten imponieren trockene Augen relativ häufig als Symptom einer unerkannten Erkrankung.

 

Stimmen Menge und/oder Zusammensetzung des Tränenfilms nicht, werden Horn- und Bindehaut ungenügend mit Feuchtigkeit versorgt und trocknen aus. Außerdem steigt der Salzgehalt der Tränenflüssigkeit. Die Lider reiben wie Schmirgelpapier über die empfindlichen Gewebe- schichten der Augenoberfläche. Wird das Auge über längere Zeit trocken gelegt, kann in schweren Fällen die Hornhaut ihre Transparenz verlieren und eintrüben.

 Zu den häufigen Ursachen trockener Augen zählen:

 -  nachlassende Tränenproduktion im Alter,

 - Arzneimittel,

 

- Augentropfen-Abusus (,,Weißmacher")

 

 -  Diabetes,

 

 -  Schilddrüsen-Erkrankungen,

 

 -  Klimakterium,

 

 -  Nervenlähmungen, beispielsweise nach Apoplex,

 

-  Allergien (zum Beispiel auf Kosmetika),

 

 -  lokale Reizungen (beispielsweise auf Chlorwasser),

 

 -  Kontaktlinsen,

 

 -  zu geringe Flüssigkeitszufuhr,

 

 -  Sjögren -Syndrom

 

 -  immunmodulierte Erkrankungen wie Lupus erythematodes, Sklerodermie oder    Rheuma.

 

Trockene Augen kausal zu behandeln, ist bislang nicht möglich. Zur symptomatischen Therapie werden Tränenersatzmittel in Gel- oder Tropfenform eingesetzt. Behältnisse für mehrere Dosen müssen Konservierungsmittel enthalten. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass gerade diese die Augen zusätzlich austrocknen. Sinnvoller sind deshalb unkonservierte Zubereitungen in Einmaldosierungen. Die Auswahl richtet sich nach der Schwere der Erkrankung.

 

Für Patienten mit leichten Beschwerden reichen oft schon wässrige Zubereitungen mit Polyvidon (zum Beispiel Vidisept® Lacophtal®). Wird die Erkrankung als mittelschwer eingestuft, empfehlen sich Tropfen mit höherer Viskosität, beispielsweise Artelac® oder Sic-Ophtal®.

Patienten, die unter dauerhaften und starken Beschwerden leiden, sollten Sie sinnvollerweise Gele wie Lacrigel® oder Visc-Ophtal® verschreiben, weil diese seltener angewendet werden müssen. Vorsicht: Nicht alle Mittel eignen sich für Kontaktlinsenträger! Vorrangig weiche Linsen sind sehr empfindlich.

 

Einige Präparate (zum Beispiel Liposic®) sind in ihrer Zusammensetzung der natürlichen Tränenflüssigkeit nachempfunden. Sie enthalten Salze, Schleim, Lipide und Wasser. Ob das Zusetzen von Vitamin A oder Panthenol die Wirkung steigert, ist strittig. Die Datenlage hierzu ist äußerst dürftig.

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