Fragen zu geschwollenen Kopfspeicheldrüsen bei Sjögren-Betroffenen

aufgeschrieben und gestellt von Marlies Thermann, Netzwerk Sjögren-Syndrom beantwortet

Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius Direktor der Klinik
für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheitenund des Institus

für Phoniatrie und PädaudiologieUniversitätsklinikum Jena

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1. Frage:
Wenn bei einer Sjögren-Patientin eine Verdickung an der Ohrspeicheldrüse gefühlt werden kann, welche weiteren Untersuchungen müssen dann folgen?

Ultraschall?
Punktion?
MRT?
CT?

Oder kann bei all diesen Untersuchungen keine Bösartigkeit ausgeschlossen werden?
 
Antwort:
Die Patientin oder der Patient sollte sich bei einem HNO-Arzt vorstellen. Neben einer allgemeinen HNO-ärztlichen Untersuchung sollte zunächst eine Ultraschall-Untersuchung der Ohrspeicheldrüsen und der anderen großen Kopfspeicheldrüsen (Unterkieferspeicheldrüse und Unterzungenspeicheldrüse beidseitig) erfolgten. Anhand dieser Untersuchung läßt sich feststellen, ob die Vergrößerung durch eine Schwellung der gesamten Ohrspeicheldrüse oder durch eine umschriebene Veränderung in der Drüse bedingt ist. Bei einer umschriebenen Veränderung könnte es sich um einen Speicheldrüsentumor, eine Lymphknotenschwellung innerhalb der Drüse, oder eher selten oder eine Speichelzyste handeln. Ein Speichelstein kann zu einem Speichelstau führen, was wiederum zu einer Schwellung der gesamten Drüse führt, nur eine Drüse betrifft und schmerzhaft ist.

Typisch für den M. Sjögren ist eine diffuse Schwellung aller großen Kopfspeicheldrüsen mit einer diffusen Auflockerung der Echostruktur in der Sonographie. Besteht zusätzlich zu diesen Befunden eine Veränderung in der Drüse oder lassen sich weitere vergrößerte Hals-Lymphknotenschwellungen feststellen, die im weiteren Verlauf zunehmen, so muss man auch an ein Lymphom denken. Patienten mit M. Sjögren sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Lymphome, insbesondere MALT-Lymphome, in den Kopfspeicheldrüsen zu entwickeln.

Bei Vorliegen einer Veränderung sollte bei der Ultraschalluntersuchung eine Feinnadelpunktionszytologie aus der Veränderung entnommen werden. Hierbei wird der Prozess mit einer feinen Nadel punktiert. Viele der oben genannten Erkrankungen lassen sich hiermit bestätigen oder ausschließen, doch kann die Feinnadelpunktionszytologie oft ein Lymphom nicht sicher nachweisen. Sollte die Feinnadelpunktionszytologie bei entsprechendem Verdacht kein klares Ergebnis ergeben, so muss eine Probebiopsie aus dem Prozess erfolgen.

Andere bildmorphologische Verfahren wie CT und MRT sind bei der Erstuntersuchung oftmals nicht notwendig, sondern nur für spezielle Fragestellungen. So kann die Sialo-MRT, eine spezielle MRT Untersuchung zur Darstellung des Speichelgangsystems, typische Gangveränderung bei M. Sjögren aufzeigen. Eine Sialo-MRT-Untersuchung wird nicht von allen radiologischen Instituten angeboten. 


2. Frage:

Gibt Sicherheit nur der histologische Befund durch eine OP?

Antwort:
Ja, die Punktion gibt zwar in den meisten Fällen eine hohe Sicherheit, doch nur der histologische Befund kann eindeutig die Gutartigkeit oder Bösartigkeit einer Veränderung nachweisen. Wie bereits erwähnt, gibt bei einem Lymphomverdacht nur die Biopsie eine sichere Aussage zur Herkunft der Veränderung. Die Biopsie kann in dem meisten Fällen als ambulante Operation in lokaler Betäubung vorgenommen werden.

Im Bereich der Ohrspeicheldrüse muss bei der Biopsie sehr vorsichtig verfahren werden, damit der Gesichtsnerv nicht verletzt wird. Die Operation muss sich am Verlauf des Nervs orientieren. In Fällen, in denen die Veränderung sehr groß ist, mehrere verdächtige Lymphknoten in der Drüse verteilt liegen oder der Prozess weit in der Tiefe der Drüse liegt, kann es auch sinnvoll sein, die gesamte Drüse zu entfernen.


3. Frage:
Kann durch Ultraschall erkannt werden, ob die Verdickung ein Lymphknoten oder ein Adenom ist?

Antwort:
Die Ultraschalluntersuchung alleine kann diese Unterscheidung meistens nicht treffen, aber die ergänzende Feinnadelpunktionszytologie.


4. Frage:
Ist ein Lymphknoten harmloser als ein Adenom?
 
Antwort:
Ein Adenom ist ein gutartiger Tumor der Kopfspeicheldrüsen, der langsam wächst und in wenigen Fällen zu einem bösartigen Tumor entartet. Die bestmögliche Therapie ist die operative Entfernung. Patienten mit einem M. Sjögren haben kein erhöhtes Risiko, ein Adenom zu entwickeln. In der Ohrspeicheldrüse finden sich im Unterschied zu den anderen Kopfspeicheldrüsen Lymphknoten nicht nur in der Nachbarschaft der Drüse, sondern auch in der Drüse. Es kann sich um reaktive Lymphknotenschwellungen im Rahmen der typischen chronischen Entzündung der Speicheldrüse durch den M. Sjögren handeln. Eine solche Schwellung wäre eine normale Reaktion des Körpers und somit nicht therapiebedürftig. Eine im weiteren Verlauf zunehmende Schwellung ist dagegen verdächtig auf die Entwicklung eines Lymphoms und somit unbedingt weiter abklärungsbedürftig.


5. Frage:
Wann muss ein Lymphknoten entfernt werden?

Ist für die Entscheidung die Kontrolle von BSG, C4, C3 und Blutbild als auch eine Elektrophorese, sowie beta2 Mikroglobulin wichtig?

Antwort:
Wenn sich im Blut typische Veränderungen für ein Lymphom finden, so würde dies bei Vorliegen einer zunehmenden Lymphknotenschwellung die Notwendigkeit bestärken, die Lymphknotenschwellung abzuklären. In vielen Fällen sind die Blutuntersuchungen aber unauffällig. Trotzdem muss dann bei einem Patienten mit M. Sjögren in den Kopfspeicheldrüsen und einer zunehmenden Lymphknotenschwellung diese abgeklärt werden.

 
6. Frage:
Wann muss ein Adenom entfernt werden?

Antwort:
Die Operation kann in der Regel in Ruhe geplant werden, da es sich um eine gutartige Erkrankung handelt, sollte aber binnen der nächsten Monate vorgenommen werden. Bei zunehmender Größe des Adenoms wird die Operation möglicherweise schwieriger. Wenn natürlich Zweifel über die Diagnose bestehen, sollte die Operation umgehend vorgenommen werden.

Wichtig ist noch, dass es bei Patienten mit M. Sjögren auch andere Gründe für eine Operation, insbesondere für eine Entfernung der Ohrspeicheldrüse (Parotidektomie) geben kann. Aufgrund des chronisch-entzündlichen Umbaus der Drüse kann diese sehr groß und unansehnlich werden, so dass Patienten aus diesem Grund eine Entfernung der Drüse(n) wünschen. Die Drüsen haben dann sowieso keine regelrechte Funktion mehr. Zum anderen kommt es selten zu wiederholten Abszessbildungen in einer schwer entzündeten Drüse. Diese Verläufe sind nur mit einer Entfernung der Drüse zu beherrschen. In jedem Fall ist die Entfernung der Ohrspeicheldrüse bei Patienten mit M. Sjögren schwierig, da das Gewebe aufgrund des Entzündungsgeschehens gut durchblutet ist. Durch die abgelaufenen Entzündungen ist das Speicheldrüsengewebe stark vernarbt, so dass die Präparation des Gesichtsnervs schwierig ist. Die Operation sollte von einem erfahrenen Speicheldrüsen-Chirurg vorgenommen werden.

 

 

 


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